Risikomanagement

||

Grundsätze und Vorgehensweisen

Als eines der führenden Telekommunikationsunternehmen in Österreich sowie in Zentral- und Osteuropa ist die Telekom Austria Group unterschiedlichsten Risiken und Veränderungen der Marktgegebenheiten ausgesetzt. Das Risikomanagementsystem der Telekom Austria Group antizipiert diese Entwicklungen frühzeitig, um effektiv auf sie reagieren zu können. Es setzt sich im Wesentlichen aus vier Bereichen zusammen: Markt- und Geschäftsrisiken, die in den jeweiligen Ländern durch den Wettbewerb, regulatorische Eingriffe oder eine unklare Rechtslage auftreten können, werden durch einen zentralen Risikomanager gruppenweit überwacht und analysiert. Risiken, die Einfluss auf die Gewährleistung der Verfügbarkeit und Sicherheit der angebotenen Dienste und Services nehmen könnten, wie beispielsweise technische und topografische Risiken, werden im Rahmen des Betriebsunterbrechungs-Managements abgedeckt. Compliance-Risiken werden durch den Bereich Group Compliance überwacht, der von lokalen Compliance Managern unterstützt wird. Die Handhabung von finanzwirtschaftlichen Risiken wie Liquiditäts-, Ausfall-, Währungs-, Transfer- und Zinsrisiken erfolgt schließlich durch den Bereich Treasury.

Das Risikomanagement der weiter unten genannten Markt- und Wettbewerbsrisiken erfolgt auf Konzernebene in der Form, dass Risiken bzw. Chancen regelmäßig analysiert und wirkungsvolle Maßnahmen zu ihrer Reduktion bzw. Wahrnehmung gesetzt werden. Die Auswirkungen von Planabweichungen werden unter anderem durch Szenarien- und Wahrscheinlichkeitsberechnungen evaluiert. Aus der Gesamtheit der Einzelrisiken leitet sich die Gesamtrisikosituation dieser Risikokategorie ab. Die Telekom Austria Group ist per 31. Dezember 2014 neben dem österreichischen Festnetz- und Mobilkommunikationsmarkt international in sechs weiteren Telekommunikationsmärkten in führenden Positionen aktiv. Damit ist sowohl eine sektorale als auch eine breite geografische Diversifikation gegeben. Die Risiken in den jeweiligen Märkten sind unterschiedlich gelagert, weshalb das Risikomanagement den operativen Einheiten vor Ort obliegt. Gesteuert wird das Risikomanagement dabei von der Holding. Dafür werden strukturierte Interviews mit dem jeweiligen Top Management geführt, um Risiken zu identifizieren, zu beurteilen und in einen Gesamtrisikobericht zusammenzuführen. Darauf aufbauend werden Maßnahmen zur Risikoreduktion und -vermeidung bestimmt, umgesetzt und in weiterer Folge evaluiert. Die Grundlage für die Risikobewältigung bildet dabei ein Risikokatalog. Eine korrekte Risikosteuerung wird zudem durch eine enge Verzahnung des Geschäftsplans mit dem Risikomanagement sichergestellt.

Das Risikomanagement der Telekom Austria Group wird durch den Prüfungsausschuss (Audit Committee) des Aufsichtsrates überwacht.

Aus der Gesamtheit der für die Telekom Austria Group identifizierten Risiken werden nachfolgend die wichtigsten Risikokategorien bzw. Einzelrisiken erläutert, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich beeinflussen können.

Risiken

Markt- und Wettbewerbsrisiken

Eine hohe Wettbewerbsintensität, die sich auch auf den Auslandsmärkten der Telekom Austria Group abzeichnet, führt zu deutlichen Preisrückgängen in der Mobilkommunikation und im Datenverkehr. Es besteht das Risiko, dass diese Preisrückgänge nicht durch Mengenwachstum kompensiert werden können. Preisrückgänge in der Mobilkommunikation beschleunigen die Migration vom Festnetz zur Mobilkommunikation. Durch attraktive Produktbündel und die Ausdehnung der konvergenten Unternehmensstrategie auf die Auslandsmärkte wird dieses Risiko adressiert. Der Trend zu Smartphones wird genutzt, um höherwertige Tarife attraktiver zu gestalten und somit mittelfristig das Umsatzpotenzial zu steigern. Der Fokus liegt dabei weiterhin auf konvergenten Produkten.

Der Telekommunikationssektor steht vor der Herausforderung, in immer kürzeren Zeitabständen neue Dienstleistungen und Produkte anbieten zu können. Kürzere Innovationszyklen bergen auch Innovationsrisiken in sich, denen mit unterschiedlichen Maßnahmen begegnet wird. Ein Beispiel dafür ist der „future.talk“, eine Veranstaltungsreihe, die von der Telekom Austria Group ins Leben gerufen wurde, um globale Herausforderungen der Branche zu diskutieren.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise führte auf den Märkten der Telekom Austria Group zu einer erhöhten Volatilität im gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Die Beobachtung zentraler makroökonomischer Indikatoren zur Beurteilung etwaiger Veränderungen im Konsumentenverhalten bildet daher einen wichtigen Aspekt des Risikomanagements und der strategischen Preis- und Produktgestaltung.

Regulatorische und rechtliche Risiken

Für Telekommunikationsdienstleistungen, die von einem Anbieter mit erheblicher Marktmacht angeboten werden, bestehen umfangreiche Netzzugangs- und Preisregulierungen. Die Telekom Austria Group wird in Österreich in mehreren Teilmärkten als solcher Anbieter eingestuft, und auch ihre internationalen Tochtergesellschaften sind entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Die Regulierung auf Endkunden- und auf Vorleistungsebene schränkt die operative Flexibilität für Produkte sowie für Produktbündel ein. Zudem besteht die Verpflichtung, den Zugang zur Infrastruktur und zu Diensten im Festnetzbereich für alternative Anbieter zu öffnen. Zusätzliche regulatorische Entscheidungen, wie beispielsweise eine Senkung der Mobil- und Festnetzterminierungsentgelte aufgrund der Terminierungsempfehlung der Europäischen Kommission, werden sich weiterhin negativ auf die Ergebnisentwicklung der Telekom Austria Group auswirken.

Im Jahr 2011 hat die Europäische Union im Rahmen der Roaming-III-Verordnung weitere umfangreiche Regulierungsmaßnahmen für innergemeinschaftliche Roamingtarife beschlossen, die mit 1. Juli 2012 in Kraft traten. Im Vergleich zur vorher geltenden Verordnung ist darin eine strukturelle Lösung vorgesehen, die den Kunden unabhängig vom nationalen Betreiber eine freie Wahl des Anbieters für Roamingdienste ermöglichen soll. Diese Maßnahme führte ab Mitte 2014 zu einem zusätzlichen Wettbewerb unter den Betreibern in Europa. Zudem wurde die Preisregulierung für Sprach-, SMS- und Datendienste fortgesetzt. Darüber hinaus liegt unter dem Titel „Telecom Single Market“ ein Vorschlag der Europäischen Kommission vor, die Roamingtarife im Endkundenbereich auf ein nationales Tarifniveau abzusenken. Diese Bestimmungen würden die Mobilkommunikationsunternehmen der Telekom Austria Group in den EWR-Mitgliedstaaten Österreich, Bulgarien, Kroatien und Slowenien treffen.

Die Telekom Austria Group und ihre Tochtergesellschaften sind Parteien in mehreren gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren mit Behörden, Mitbewerbern sowie anderen Beteiligten. Der Dialog mit den involvierten Stakeholdern und ein laufender Informationsaustausch zu kontroversiellen Themen, die eine Gefahr für das Unternehmen darstellen könnten, ermöglichen eine frühzeitige Problemerkennung und die Erarbeitung von Initiativen, um hier allenfalls gezielt gegenzusteuern. Die Telekom Austria AG hat sich den laufenden Verfahren im Zusammenhang mit den Malversationen der Vergangenheit als Privatbeteiligter angeschlossen. Diese Verfahren sind bereits teilweise in erster Instanz abgeschlossen, jedoch noch nicht rechtskräftig entschieden.

Compliance-Risiken

Im Rahmen des jährlichen Compliance-Risk-Assessment-Prozesses – der ein wesentliches Element des Compliance-Management-Systems der Telekom Austria Group darstellt – werden auf Basis strukturierter Management-Interviews und Workshops relevante Compliance-Risiken identifiziert und risikominimierende Maßnahmen definiert.

Finanzwirtschaftliche Risiken

Die Telekom Austria Group ist Liquiditäts-, Ausfall-, Währungs-, Transfer- und Zinsrisiken ausgesetzt (siehe Anhangangabe (33) Finanzinstrumente).

Beteiligungsrisiko

Die Telekom Austria Group begegnet Beteiligungsrisiken mit Maßnahmen wie der aktiven Steuerung der Beteiligungen durch Zielvorgaben und Abstimmungsprozesse sowie im Fall des Erwerbs einer Beteiligung mit einer fundierten Due-Diligence-Untersuchung und einer Unternehmensbewertung.

Personalrisiken

Die Telekom Austria Group begegnet Personalrisiken auf vielfältige Weise. Die Rekrutierung von jungen Talenten erfolgt etwa im Rahmen der „1A-Karriere“, die ihren Fokus auf Graduates, Trainees und Lehrlinge legt. Risiken durch den Abgang von Schlüsselkräften wird durch eine vorrausschauende Nachfolgeplanung und ein gruppenweites Talent Management entgegengewirkt. Führungskräfte agieren im Rahmen von gruppenweit gültigen Leadership Standards, die sich auf die Dimensionen „Person“, „Team“ und „Business“ beziehen. Gruppenweites Feedback zur Weiterentwicklung von Führungskräften erfolgt im Rahmen eines 360°-Feedback-Programms. Eine unternehmensinterne Business School entwickelt die Fertigkeiten und Fähigkeiten der MitarbeiterInnen und ist Plattform für konzernweiten Know-how-Transfer. Die regelmäßige gruppenweite Umfrage „TAGisfaction“ dient der Einholung von Mitarbeiter-Feedback. Die Ergebnisse von TAGisfaction führen jährlich zu einer Vielzahl effektiver Verbesserungsmaßnahmen und fließen darüber hinaus in die Strategieplanung des Folgejahres ein. Die Personalplanung umfasst neben einer Businessplan-orientierten Kostenplanung auch Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitermobilität.

Rund 50% der MitarbeiterInnen des Segments Österreich haben Beamtenstatus, das sind 27% auf Gruppenebene. Zur Adressierung der Personalkostenstruktur wurden im Segment Österreich in Zusammenarbeit mit der Personalvertretung neben mehreren Sozialplänen auch Modelle entwickelt, die den beamteten MitarbeiterInnen einen Arbeitsplatzwechsel zu Bundesministerien ermöglichen. Das im November 2014 ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofs betreffend die Entlohnung und sonstigen Rechte von Beamten hat es erfordert, dass die Telekom Austria Group im Geschäftsjahr 2014 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 30,1 Mio. EUR für Personalkosten und in Höhe von 15,0 Mio. EUR für Restrukturierung dotiert. Durch das Urteil werden auch die Aufwendungen für die auf das Geschäftsjahr 2014 folgenden Geschäftsperioden erhöht, was sich nachteilig auf die Finanz- und Ertragslage der Gruppe auswirken könnte.

Technisches und topografisches Risiko

Die Aufrechterhaltung der hohen Verfügbarkeit und Sicherheit der angebotenen Dienste und Services zählt zu den Schwerpunkten des operativen Risikomanagements, da verschiedene Bedrohungen, wie z. B. Katastrophen, technische Großstörungen, fremde Einflüsse durch Bautätigkeiten, verborgene Mängel oder kriminelle Handlungen, deren Qualität beeinträchtigen können. Langfristige Planungen berücksichtigen die Entwicklungen in der Technik, die redundante Ausführung kritischer Komponenten sorgt für Ausfallsicherheit, und effiziente Organisationsstrukturen für Betrieb und Sicherheit dienen der Absicherung der hohen Qualitätsstandards. Eine eigene Konzernrichtlinie stellt zudem eine einheitliche Methodik für die Erkennung und das Management der wichtigsten Risiken von operativen Prozessen sicher. Im Jahr 2014 musste die operative Risikovorsorge bei den schweren Überschwemmungen in der Republik Serbien und Teilen Kroatiens ihre Funktionsfähigkeit unter Beweis stellen. Durch die gute technische und organisatorische Vorbereitung wurde die Krise vom lokalen Notfallmanagement mit Unterstützung aus dem Konzern hervorragend gemeistert.

Umweltrisiken

Aus der Klimaveränderung können Risiken für die Netzinfrastruktur der Telekom Austria Group entstehen (z. B. steigende Durchschnittstemperaturen oder große Niederschlagsmengen bis hin zu Hochwasser, Murenabgängen etc.). Die Telekom Austria Group engagiert sich aktiv für den Klimaschutz und beobachtet die diesbezüglichen Entwicklungen laufend, um gegebenenfalls Maßnahmen zum Schutz ihrer Infrastrukturanlagen einleiten zu können.

||