Der Vorstand der Telekom Austria Group im Gespräch über die erfolgreiche Stabilisierung des Österreich-Geschäfts, den neuen kontrollierenden Mehrheitseigentümer América Móvil, die erfolgreiche Kapitalerhöhung, neue Trends und seine Pläne für die Zukunft.

Der Vorstand der Telekom Austria Group: Hannes Ametsreiter (Generaldirektor), Mitte; Siegfried Mayrhofer (Chief Financial Officer), rechts; Günther Ottendorfer (Chief Technology Officer), links (Foto)

Der Vorstand der Telekom Austria Group

Hannes Ametsreiter (Generaldirektor), Mitte
Siegfried Mayrhofer (Chief Financial Officer), rechts
Günther Ottendorfer (Chief Technology Officer), links

Sie haben einen neuen Mehrheitseigentümer an Bord, soeben eine Kapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt und im Österreich-Geschäft den Turnaround eingeleitet. Umgekehrt mussten Sie Ihre Beteiligung in Bulgarien deutlich abwerten. Wie bewerten Sie dieses Gesamtbild?

Hannes Ametsreiter: Wir sind im Jahr 2014 in vielerlei Hinsicht sowohl strategisch als auch operativ neue Wege gegangen. Und die Richtung stimmt. Wir haben unsere Konvergenzstrategie erfolgreich umgesetzt und das Unternehmen durch eine Reihe operativer Maßnahmen, M&A-Aktivitäten und Kostensenkungen deutlich gestärkt. Trotz weiterer massiver regulatorischer Einschnitte ist uns eine Stabilisierung des bereinigten EBITDA gelungen. Darauf kann das ganze Unternehmen stolz sein. In unseren verschiedenen Märkten zeigt sich dabei ein heterogenes Bild. Österreich ist als einer der europaweit schwierigsten Märkte unserer Branche bekannt. Das durchschnittliche Preisniveau im Mobilfunk sowie im Festnetz gehört im Europavergleich immer noch zu den niedrigsten. Dennoch haben wir es in Österreich im Jahr 2014 geschafft, zu leichtem Wachstum des bereinigten EBITDA zurückzukehren. In unseren internationalen Märkten können Weißrussland und Slowenien auf erfreuliche Wachstumsraten verweisen, aber es gibt auch Länder, wie z. B. Bulgarien und Kroatien, wo wir die Stabilisierung noch nicht erreicht, aber schon konkrete Maßnahmen implementiert haben. Mit unserem neuen Mehrheitseigentümer América Móvil und der erfolgreichen Kapitalerhöhung sind wir jedenfalls hervorragend aufgestellt, um mit einer gestärkten Kapitalstruktur und soliden Investitionen in die Telekom Austria Group wertsteigerndes Wachstum zu erzielen.

Gab es 2014 Überraschungen – im Umfeld oder in Ihrer Geschäftsentwicklung? Welche Highlights prägten das operative Geschäft?

Hannes Ametsreiter: Die größte Herausforderung war für uns sicherlich die Neuausrichtung des Österreich-Geschäfts. Hier haben wir als Nummer 1 im Markt mit einer neuen Tarifstruktur einen progressiven Weg beschritten und sind nun sehr zufrieden, dass die hohe Kundenakzeptanz für unsere Produkte und Services diese Ausrichtung bestätigt. Leider gab es mit der Wertberichtigung in Bulgarien, den erhöhten Frequenznutzungsgebühren in Kroatien und Rückstellungen infolge eines EuGH-Urteils zum Beamtenstatus in Österreich auch negative Überraschungen, die das an sich positive operative Bild trüben.

Und wie bewerten Sie das Ergebnis 2014 aus Sicht des Finanzvorstands?

Siegfried Mayrhofer: Dass wir es nach sechs Jahren eines rückläufigen bereinigten EBITDA der Telekom Austria Group geschafft haben, eine Stabilisierung zu erzielen, ist ausgesprochen erfreulich. Bei rein operativer Betrachtung ohne Einmaleffekte konnten wir sogar wieder Wachstum erreichen. Die angesprochene Abwertung in Bulgarien belastet natürlich die Entwicklung des Net Income, hat aber keinen unmittelbaren Effekt auf unseren Cashflow, der 2014 wieder Wachstum verzeichnete und den positiven operativen Trend reflektiert. Erfreulich ist auch die erfolgreiche Durchführung unserer Kapitalerhöhung, durch die wir dem Unternehmen – mit Unterstützung unserer Kernaktionäre – 1 Mrd. EUR an frischem Kapital zuführen konnten. Diese Mittel werden wir nun zur weiteren Umsetzung unserer Strategie einsetzen.

Was waren die Hauptfaktoren für den positiven Trend im Österreich-Geschäft?

Mit unserem
neuen Mehrheitseigentümer
América Móvil und der
erfolgreichen Kapitalerhöhung sind
wir hervorragend aufgestellt.
HANNES AMETSREITER

Hannes Ametsreiter (Generaldirektor) (Foto)

Siegfried Mayrhofer: Kernelement dieses Erfolgs war sicher der konsequente Fokus auf hochwertige Kundensegmente. Hier ist es uns gelungen, den Bedürfnissen unserer Kunden mit attraktiven Angeboten punktgenau zu entsprechen. Dabei war es entscheidend, uns über beste Serviceleistung und Netzqualität vom Mitbewerb klar zu differenzieren. Gleichzeitig konnten wir durch effiziente Marktbearbeitung und eine Anpassung des Stützungsniveaus für Endgeräte unsere Kosten nachhaltig senken. Die hohe Kostendisziplin bezog sich allerdings nicht nur auf die Marktbearbeitung. Wir haben daneben auch zahlreiche strukturelle Maßnahmen, so beispielsweise im Einkauf oder der IT-Landschaft, gesetzt.

Wie sehen nun die weiteren Pläne für Österreich aus? Gibt es hier Wachstumschancen? Was könnte den Turnaround allenfalls gefährden?

Hannes Ametsreiter: Wir werden weiterhin intensiv an der Umsetzung unserer Strategie arbeiten, um im österreichischen Markt nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Wir glauben daran, dass wir auch in Zukunft von der steigenden Nachfrage nach Daten sowie von unserer führenden Position bei der Netzqualität profitieren und unsere Kunden auch weiterhin durch attraktive konvergente Produkte überzeugen können.

Siegfried Mayrhofer: Maßgeblich für die Weiterentwicklung unseres Marktes ist nicht zuletzt auch die Anbieterstruktur. Sehr genau beobachten wir hier vor allem den möglichen Neueinstieg weiterer MVNOs (Mobile Virtual Network Operators, Anm.). Wir sind aber zuversichtlich, durch eine differenzierte Marktbearbeitung und attraktive Produkte auch in einem Umfeld mit neuen Spielern erfolgreich zu bleiben.

Was bedeutet der Einstieg von América Móvil konkret für die Telekom Austria Group? Gemeinsam mit der ÖIAG verfügen Sie damit nun über eine sehr stabile Aktionärsstruktur …

Hannes Ametsreiter: Wir arbeiten mit América Móvil seit deren ursprünglichem Einstieg im Jahr 2012 sehr konstruktiv zusammen. Das erfolgreiche Übernahmeangebot im Berichtsjahr zeigt, dass América Móvil an unser Unternehmen und unsere Region glaubt. Da América Móvil ebenfalls im Mobilfunk wie im Festnetz tätig ist und hohen Wert auf Netzwerkqualität legt, haben wir auch eine hohe Übereinstimmung in unserer strategischen Ausrichtung. Die stabile Aktionärsstruktur erleichtert es uns jedenfalls, strategische Ziele zu verfolgen und langfristige Investitionen in die Infrastruktur vorzunehmen.

Apropos Strategie: Hat sich hier durch den Einstieg von América Móvil oder aus anderen Gründen etwas geändert? Das Konzept, auf Konvergenz zu setzen, hat sich ja bewährt. Bleibt es dabei? Und wo sehen Sie die größten Wachstumspotenziale?

Hannes Ametsreiter: América Móvil unterstützt insbesondere unseren Fokus auf Konvergenz. Hier sehen wir klares Wachstumspotenzial. Wir haben durch die erfolgreiche Umsetzung in Österreich, Kroatien, Bulgarien und zuletzt in der Republik Mazedonien ja auch schon Beispiele, dass dieser Ansatz funktioniert. Konvergenz bleibt deshalb auch weiterhin unsere zentrale strategische Stoßrichtung.

In welche Richtung bewegt sich die Telekom-Branche? Gibt es neue Trends, die für Sie von Bedeutung sind? Kommen neue Technologien auf uns zu?

Kernelement des Erfolgs
in Österreich war der konsequente
Fokus auf hochwertige
Kundensegmente
SIEGFRIED MAYRHOFER

Siegfried Mayrhofer (Chief Financial Officer) (Foto)

Günther Ottendorfer: Unsere Branche bleibt weiterhin ein sehr spannender Sektor, der von rasanten Entwicklungen in Bezug auf Datenwachstum oder innovative Over-the-Top-Player wie Netflix oder Google geprägt ist. Das dynamische Datenwachstum birgt natürlich auch für uns Wachstumschancen. Außerdem eröffnet beispielsweise das Machine-to-Machine-Geschäft (M2M) vielfältige Potenziale. Durch die Bereitstellung von Content und Media ergeben sich für Telekommunikationsunternehmen darüber hinaus auch im Mediengeschäft Differenzierungs- und Wachstumsoptionen.

Sie haben 2013 viel Geld in neue Frequenzen investiert, um Ihren Kunden noch höhere Netzwerkqualität zu bieten. Wie sieht es hier Ende 2014 mit dem Ausbau aus?

Günther Ottendorfer: Wir haben im Zuge der österreichischen Frequenzauktion eine in Europa einzigartige Frequenzausstattung erworben. Das macht vor allem den Ausbau im ländlichen Raum wesentlich kosteneffizienter. Der Ausbau geht sehr gut voran, und auch bei der Erweiterung des LTE-Netzes sind wir dem Mitbewerb weit voraus. In Österreich stehen wir hier mit Ende 2014 bei mehr als 60% Abdeckung, aber auch in der CEE-Region machen wir beim Ausbau gute Fortschritte. Doch nicht nur im Mobilfunk werden immer höhere Bandbreiten immer wichtiger. Daher setzen wir im Festnetz beispielsweise Technologien wie G.fast ein, die es uns ermöglichen, extrem hohe Bandbreiten über das bestehende Kupfernetzwerk anzubieten. Ergänzend zum Glasfaser-Rollout kann damit der Ausbau von ultraschnellen Breitbanddiensten effizient vorangetrieben werden.

Ihre Märkte in CEE zeigen ein gemischtes Bild. Zuletzt hat vor allem die Abwertung von Mobiltel in Bulgarien Aufmerksamkeit erregt. Sind damit dort alle Probleme vom Tisch?

Hannes Ametsreiter: Der Blick auf unsere internationalen Märkte zeigt ein differenziertes, in Summe aber stabiles Bild. Einige Märkte entwickeln sich gut, und Länder wie Weißrussland, Slowenien und die Republik Serbien bieten sehr gute Wachstumsraten, die gleichzeitig die Chancen der CEE-Region deutlich machen. Auf der anderen Seite ist das Geschäft in Weißrussland mit einem erheblichen Währungsrisiko verbunden. In anderen Ländern wie Bulgarien und Kroatien, die wirtschaftlich zu kämpfen haben, verläuft auch unser Geschäft wesentlich schwieriger. So beruht die Abwertung in Bulgarien auf einer Zurücknahme unserer Erwartungen sowohl bezüglich der operativen Entwicklung des Unternehmens wie auch der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Unsere Aufgabe ist es nun, strategisch jene Akzente zu setzen, mit denen wir auch diese Länder stabilisieren können.

Wohin geht der weitere Weg in CEE? Ist das Konzept, das Sie in Österreich mit Erfolg umsetzen, auch dort anwendbar? Das politische und wirtschaftliche Umfeld und die Währungsentwicklung wirken auf den ersten Blick nicht überall zu Ihren Gunsten …

Insbesondere planen wir, den
LTE-Ausbau in unseren Märkten voranzutreiben und den
Glasfaserausbau über die Jahre 2015
bis 2018 zu beschleunigen.
GÜNTHER OTTENDORFER

Günther Ottendorfer (Chief Technology Officer) (Foto)

Siegfried Mayrhofer: Wir glauben weiterhin an das grundsätzliche Wachstumspotenzial der CEE-Region. Die Menschen sind gut ausgebildet und hoch motiviert, deshalb sehen wir keinen Grund, warum sich das dortige Wirtschaftsniveau mittelfristig nicht dem EU-Durchschnitt annähern sollte. Und wir sind zuversichtlich, dass sich dieser Aufholprozess mittelfristig auch in der operativen Entwicklung unserer Tochterunternehmen widerspiegeln wird. Dessen ungeachtet ist das politische und wirtschaftliche Umfeld in CEE natürlich wesentlich fragiler als in Österreich. Deshalb rechnen wir bis auf Weiteres durchaus mit Gegenwind. So wie in allen Märkten ist auch in Osteuropa eine gesunde Marktstruktur und -entwicklung die Basis für ein nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell. Mit zunehmendem Reifegrad steigen dabei die Chancen für konvergente Produkte wie jene, mit denen wir in Österreich erfolgreich sind. Und auch in CEE werden immer höhere Datenvolumina nachgefragt.

Wie kommen Sie mit dem technologischen Rollout in CEE – und damit in Ländern mit durchaus unterschiedlichen Reifegraden – voran?

Günther Ottendorfer: Wie in Österreich sehen wir auch in CEE hohe Netzqualität als zentrale Erfolgsvoraussetzung. Deshalb sind wir laufend bestrebt, bei der Netzabdeckung immer höhere Kapazitäten für Breitbanddienste zur Verfügung zu stellen. So treiben wir auch in unseren internationalen Märkten den Ausbau von LTE-Netzen voran und bieten neben Österreich bereits in drei weiteren Ländern – Kroatien, Slowenien und der Republik Mazedonien – LTE-Services mit einer Abdeckung von über 27%, 75% und 42% an. Im Festnetz arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Netzqualität und -abdeckung auch in CEE zu optimieren – teils durch aktiven Ausbau unserer eigenen Infrastruktur, teils durch den Zukauf von anderen Anbietern.

Operational Excellence und Kostenoptimierung stehen sehr weit oben auf Ihrer Agenda. Welche Fortschritte gab es hier im Jahr 2014?

Siegfried Mayrhofer: Kosteneinsparungen waren 2014 der größte Treiber in der Stabilisierung des bereinigten EBTIDA. Wie bereits erwähnt, haben wir – abgesehen von höherer Kosteneffizienz in der Marktbearbeitung – eine Reihe von strukturellen Maßnahmen gesetzt. Mehrere strategische Effizienzprogramme – sie betrafen z. B. den Einkauf, die IT-Infrastruktur und die Simplifizierung interner Prozesse – haben erhebliche und auch nachhaltige Kostensenkungen gebracht. Diese Optimierungen betrafen sowohl den laufenden operativen Aufwand als auch unsere Investitionen. Insgesamt konnten dadurch Brutto-Kosteneinsparungen bei CAPEX und OPEX in Höhe von rund 100 Mio. EUR erzielt werden. Auch in Zukunft werden wir den Weg der Kosteneffizienz konsequent weiter verfolgen.

Wie sieht es nach der Kapitalerhöhung mit der Finanzkraft und der Liquidität der Telekom Austria Group aus?

Siegfried Mayrhofer: Die Kapitalerhöhung ist sehr erfolgreich verlaufen und hat einen Erlös von 1 Mrd. EUR eingebracht. Sowohl die Bilanz als auch die Liquiditätsausstattung unseres Unternehmens wurde dadurch deutlich gestärkt. Dies hilft uns, unser Zielrating von Baa2/BBB abzusichern, gleichzeitig verfügen wir über ausreichend Liquidität für die Umsetzung von strategischen Investitionen.

Was geschieht mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung? Planen Sie eher Akquisitionen oder Investitionen in Ihre Netzwerkqualität?

Siegfried Mayrhofer: Einen Teil der Kapitalerhöhung werden wir dazu verwenden, unseren Verschuldungsgrad zu reduzieren. Darüber hinaus sind wir nun sehr gut ausgestattet, um sowohl strategische Akquisitionen als auch Investitionen in unsere Netzqualität vorzunehmen.

Günther Ottendorfer: Insbesondere planen wir, den LTE-Ausbau in unseren Märkten voranzutreiben und den Glasfaserausbau über die Jahre 2015 bis 2018 zu beschleunigen. Für Letzteren planen wir in Summe zusätzlich rund 400 Mio. EUR zu investieren. Dieser Investitionsplan ist unter anderem abhängig von den entsprechenden jährlichen Genehmigungen der Investitionsbudgets durch den Aufsichtsrat sowie den in Aussicht gestellten Förderungen durch den Bund. Dass die Republik mit den versprochenen Förderungen in Höhe von 1 Mrd. EUR die hohe Bedeutung der Infrastruktur für den Standort Österreich erkannt hat, ist eine wichtige Voraussetzung für den großflächigen Ausbau. Diese Förderungen werden natürlich unsere Fähigkeit, Infrastrukturinvestitionen in Österreich zu tätigen, erheblich mitgestalten.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie schätzen Sie die Entwicklung im Jahr 2015 ein?

Hannes Ametsreiter: Wir sind zuversichtlich, dass wir die richtige Strategie haben, um unsere ambitionierten Ziele zu erreichen. Im Jahr 2015 wollen wir im Gesamtumsatz erstmals seit sieben Jahren wieder wachsen. In Summe erwarten wir einen Anstieg von ca. 2%. Wir werden auch weiterhin in den Ausbau unserer Netze, insbesondere den beschleunigten Glasfaserausbau in Österreich, investieren. Dafür haben wir in Summe 700 bis 750 Mio. EUR veranschlagt.